Gedanken: Ethik und Konsum im 21. Jahrhundert.

Das kommt mir nicht in die Tüte.

Da ich schon seit Jahren Teil der Kommunikations- und Modebranche bin, werde ich oft gefragt, wie ich eigentlich zu bestimmten Labels stehe, wo ich meine Outfits shoppe oder was ich über Produktionsbedingungen zu sagen habe. Natürlich habe ich ein klares Bild davon, was für mich geht und was nicht – zum Beispiel, dass ich seit Jahren nur noch so selten wie möglich Fast Fashion konsumiere. Am Ende des Tages ist der Modebereich aber auch nur ein Teil unserer konsumorientierten Welt. Das Große und Ganze setzt sich aus so viel mehr zusammen. Was isst du? Wie lebst du? Wie bewegst du dich von A nach B? Alles Fragen, die ich mir persönlich regelmäßig stelle und mich dabei hinterfrage. Und da merke ich immer wieder: Auch ich bin nicht fehlerfrei. Und ich finde, das muss ich auch gar nicht sein. 

Ich weiß, dass sich mein Bewusstsein und meine Einstellung bestimmten Themen gegenüber die letzten Jahre verschärft hat und dass ich, je älter ich werde, auch einen besseren Umgang damit pflege: Ich reduziere stetig meinen Konsum (und meinen Besitz), versuche mich größtenteils vegan/vegetarisch zu ernähren, schwinge mich auf’s Rad oder setze mich in die Bahn und versuche, das Fliegen zu vermeiden. Das sind in erster Linie Dinge, die ich für mich tue, weil es mir wichtig ist und weil ich versuche, etwas zurückzugeben und ich bin glücklich damit. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, die mir sauer aufstoßen: Zum Beispiel sich öfter und öfter in engstirnigen Diskussionen wiederfinden zu müssen, weil man ein Stück Fleisch isst, oder es – aus welchen Gründen auch immer – nicht zu einer Anti-AFD-Demo schafft.

Kann es nicht etwa sein, dass wir erst einmal an unserer Akzeptanz arbeiten sollten, bevor wir andere für ihr mögliches Fehlverhalten anschuldigen? Wenn jeder erst einmal auf sich selber schauen würde und seine Konsumliste auf Herz und Nieren prüft, würde es meiner Meinung nach vieles vereinfachen. Ich bin sicher nicht diskussionsscheu oder traue mich nicht, meine Meinung offen Kund zu tun, aber die Frage ist doch, ob man sich für jede seiner Handlung und jeden Kauf rechtfertigen muss? Nein, ich will das nicht. Denn wenn sich jeder seiner ethischen und gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist, muss niemand perfekt sein. Jeder kann seinen Beitrag leisten, ohne dabei zu engstirnig zu sein. Vielleicht waren diese Zeilen ja eine Anregung für dich, mal darüber nachzudenken, was du so machen kannst: Ist es eine fleischlose Woche pro Monat? Ist es die U-Bahn, die du morgen nimmst – und nicht das Auto? Ist es die Anschaffung eines Thermobechers? Der bewusste Verzicht auf ethisch unkorrekt produzierte Mode?

Ich glaube: Jeder kleine Schritt, der Veränderung mit sich bringt ist ein guter, wichtiger Schritt für unsere Gesellschaft.

 

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